Die Pflegekosten kennen weiter nur eine Richtung. Die Kosten für einen Pflegeheimplatz steigen erneut deutlich und belasten Pflegebedürftige wie auch die Pflegeversicherung zunehmend. Im bundesweiten Durchschnitt mussten Bewohnerinnen und Bewohner im ersten Jahr im Heim zum Jahresbeginn monatlich 3.245 Euro aus eigener Tasche zahlen. Das sind spürbar mehr als noch Mitte 2025 und zu Beginn des vergangenen Jahres, als es noch 261 Euro weniger waren.
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier stellt dazu fest: „Die steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen zeigen, dass die Pflegeversicherung ihre Schutzfunktion immer weniger erfüllt. Wenn Pflegebedürftige mehr als das doppelte der Durchschnittsrente monatlich für den Heimplatz aufbringen müssen, ist das Wahnsinn. Eine bedarfsgerechte Pflege darf nicht vom eigenen Einkommen oder Vermögen abhängen.“
Bis zu 900 Euro Unterschied zwischen den Bundesländern
Die Pflegekosten setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Neben dem Anteil für Pflege und Betreuung, den die Pflegeversicherung nur teilweise übernimmt, fallen Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie für Investitionen in den Einrichtungen und für die Ausbildung des Personals an. Besonders stark treiben die steigenden Personalkosten für Pflegekräfte die Ausgaben nach oben.
Zwischen den Bundesländern gibt es erhebliche Unterschiede. Am teuersten ist die Pflege im ersten Jahr mit über 3.600 Euro im Monat derzeit in Bremen und im Saarland, während Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen geringere monatliche Eigenanteile zahlen müssen. Doch selbst in Sachsen-Anhalt betragen die durchschnittlichen Kosten 2.720 Euro und übersteigen die Höhe einer normalen Rente damit deutlich.
SoVD: Pflege nachhaltig und solidarisch finanzieren
Zur Entlastung erhalten Pflegebedürftige seit 2022 gestaffelte Zuschläge, die mit der Dauer des Heimaufenthalts steigen. Dennoch nimmt auch bei langjährigen Heimbewohnerinnen und -bewohnern die monatliche Belastung weiter zu. So hatten Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Wohndauer von mehr als drei Jahren im Jahr 2025 eine Gesamtbelastung von immer noch 2.044 Euro zu tragen. Gleichzeitig wachsen die Ausgaben der Pflegekassen für diese Zuschläge erheblich.
Für den SoVD ist klar, dass die Politik hier gegensteuern muss. Die von Bund und Ländern eingesetzte Pflegekommission hat nicht die erhofften Ideen für eine nachhaltige Reform der Pflege sowie Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen geliefert. Michaela Engelmeier fordert die Bundesregierung deshalb auf, das Thema endlich anzugehen.
Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa betont sie: „Die Pflegeversicherung ist seit Jahren strukturell unterfinanziert. Entlastungszuschläge reichen nicht aus, wenn die Gesamtkosten weiter steigen. Es braucht endlich eine nachhaltige, solidarische Finanzierung. Der Bund muss gesamtgesellschaftliche Aufgaben aus Steuermitteln übernehmen und die Finanzierung der Pflege auf eine breitere Basis stellen, damit Pflegebedürftige dauerhaft spürbar entlastet werden.“
